Zinseszins entsteht, wenn Erträge investiert bleiben und künftig selbst Erträge erwirtschaften können. Für Anleger kommt es deshalb auch darauf an, ob eine Anteilklasse Erträge einbehält oder ausschüttet, welche Kosten anfallen und wie sich der Fonds am Markt entwickelt.

Was Zinseszins bei Fonds bedeutet

Bei einer Anlage mit Zinseszins wächst nicht nur das ursprüngliche Kapital: Einbehaltene Erträge vergrößern den Betrag, auf den spätere Erträge berechnet werden. Bei einem Fonds ist das jedoch kein fester Zinssatz. Der Wert seiner Anlagen kann steigen oder fallen; Kosten mindern den Wert, der den Anlegern zugutekommt.

Die einfache Formel für einen gleichbleibenden jährlichen Satz lautet: K_n = K_0 × (1 + r)^n. Dabei steht K_0 für das Startkapital, r für den angenommenen Ertrag pro Jahr und n für die Zahl der Jahre. Die Formel veranschaulicht eine Rechenannahme, nicht die künftige Rendite eines Fonds.

Ein Rechenbeispiel mit festen Annahmen

Deutsch beschriftete Grafik zur Zinseszinsformel mit Endkapital, Anfangskapital, Zinssatz und Anlagezeitraum.
Vergleich des Endbetrags nach zehn Jahren bei einfacher Verzinsung und bei jährlich wiederangelegten Erträgen.

Bei einem angenommenen, konstanten Ertrag von 5 % pro Jahr werden aus 1.000 € über zehn Jahre rund 1.628,89 €, wenn die Erträge jedes Jahr investiert bleiben. Das Beispiel setzt voraus, dass es keine Ein- oder Auszahlungen, Gebühren oder Steuern gibt. Bei einfacher Verzinsung, bei der jährlich 50 € ausgezahlt und nicht wieder angelegt werden, läge der Gesamtbetrag nach zehn Jahren bei 1.500 €.

Die Rechnung zeigt den Effekt des Wiederanlegens unter gleichbleibenden Bedingungen. Fondsrenditen schwanken dagegen; die Formel und die Grafik veranschaulichen hier ausdrücklich nur feste Rechenannahmen.

Ein zweites hypothetisches Beispiel verwendet 1.000 € Anfangskapital und einen konstanten jährlichen Ertrag von 8 % über zehn Jahre. Alle Erträge werden wieder angelegt; ohne Einzahlungen, Entnahmen, Kosten oder Steuern. Die Rechnung behält intern alle Dezimalstellen, die Tabelle zeigt auf Cent gerundete Beträge.

JahrKapital am Jahresanfang (€)Ertrag des Jahres (€)Kapital am Jahresende (€)
11.000,0080,001.080,00
21.080,0086,401.166,40
31.166,4093,311.259,71
41.259,71100,781.360,49
51.360,49108,841.469,33
61.469,33117,551.586,87
71.586,87126,951.713,82
81.713,82137,111.850,93
91.850,93148,071.999,00
101.999,00159,922.158,92

Wie Anteilklassen mit Erträgen umgehen

Ob Erträge im Fonds bleiben oder an Anleger fließen, hängt von der Anteilklasse und den Bedingungen des Fonds ab. Bei thesaurierenden Anteilklassen werden Erträge im Fonds einbehalten. Ausschüttende Anteilklassen zahlen einen Teil oder alle Erträge an die Anleger aus.

AnteilklasseBehandlung der ErträgeWas Anleger beachten sollten
ThesaurierendErträge bleiben im Fonds.Sie können im Fonds investiert bleiben und so zur weiteren Wertentwicklung beitragen.
AusschüttendErträge werden teilweise oder vollständig ausgezahlt.Ausgezahltes Geld bleibt nicht automatisch im Fonds. Wer es erneut anlegen möchte, muss die Wiederanlage selbst veranlassen.

Ein vereinfachtes Beispiel macht den Unterschied sichtbar: Bei unveränderten Preisen der Anlagen entsprechen 100 € Fondsanteilen, auf die 2 € Ertrag entfallen, nach Einbehaltung 102 € im Fonds. Bei einer Ausschüttung bleiben 100 € angelegt und 2 € werden ausgezahlt. Das Beispiel isoliert die Ausschüttung; der tatsächliche Fondswert kann sich durch Marktbewegungen verändern.

Nettoinventarwert und Gesamtrendite richtig berechnen

Der Nettoinventarwert je Anteil spiegelt unter anderem Veränderungen im Wert des Fondsportfolios und die dem Fonds belasteten Kosten wider. Eine Berechnung, die nur den Anfangs- und Endwert eines Anteils vergleicht, lässt eine zwischenzeitliche Ausschüttung außen vor.

Für eine Periode lässt sich die Gesamtrendite bei einer Ausschüttung vereinfacht so berechnen: (Endwert je Anteil − Anfangswert je Anteil + Ausschüttung je Anteil) ÷ Anfangswert je Anteil. So werden sowohl die Wertänderung des Anteils als auch das ausgezahlte Einkommen berücksichtigt. Wird stattdessen eine Wertentwicklung betrachtet, in der Ausschüttungen bereits wiederangelegt sind, darf die Ausschüttung nicht noch einmal hinzugerechnet werden.

Diese Rechnung beschreibt die Gesamtrendite vor individuellen Steuern und möglichen direkten Gebühren. Sie macht aus der schwankenden Wertentwicklung eines Fonds keinen festen Zinssatz.

Verluste wirken auf den aktuellen Wert

Prozentuale Gewinne und Verluste beziehen sich jeweils auf den aktuellen Anlagewert. Cristina Dayz rechnete in einem am 9. Januar 2025 veröffentlichten Video mit einem Anstieg von 1.200 € um 20 % auf 1.440 €. Ein anschließender Rückgang um 20 % führt zu 1.152 €. Das sind 4 % weniger als der Ausgangsbetrag von 1.200 €.

Der Grund ist die unterschiedliche Berechnungsbasis: Der Rückgang von 20 % wird auf 1.440 € angewendet, nicht auf die ursprünglichen 1.200 €. Ein Fonds kann deshalb trotz vorheriger Gewinne an Wert verlieren; einbehaltene Erträge schützen nicht vor fallenden Kursen.

Wie Kosten den Zinseszinseffekt beeinflussen

Verwaltungs- und Verwahrstellenkosten werden dem Fonds belastet und wirken sich auf seinen Nettoinventarwert aus. Dadurch steht weniger Wert für eine weitere Entwicklung zur Verfügung. Je nach Fondsbedingungen können zusätzlich Gebühren für Ausgabe oder Rückgabe anfallen. Diese direkten Gebühren betreffen den Anleger und können sein Ergebnis beeinflussen.

Prüfen Sie deshalb in den Fondsdokumenten, ob die Anteilklasse thesauriert oder ausschüttet und welche Kosten für den Fonds sowie für Kauf und Rückgabe gelten. Cristina Dayz weist in ihrem Video außerdem darauf hin, dass eine Rendite unterhalb der Inflation trotz eines nominalen Wertzuwachses mit einem Kaufkraftverlust einhergehen kann.