Ein Zinseszinskonto ist ein Konto, bei dem gutgeschriebene Zinsen im Guthaben bleiben und künftig selbst verzinst werden können. Der Ausdruck beschreibt einen Rechenmechanismus, kein einheitliches Produkt mit festem Zinssatz oder einheitlichen Bedingungen. Welche Zinsen gelten, wann sie gutgeschrieben werden und welche Gebühren oder Zugangsbedingungen bestehen, legt der jeweilige Vertrag fest.

Wie Zinsberechnung und Gutschrift zusammenhängen

Formel zum Zinseszins mit Pfeilen zu Anfangswert, Endwert, Zinssatz und Zahl der Zinsperioden.

Zinseszins entsteht, wenn Erträge dem Guthaben zugeschlagen werden und die nächste Zinsberechnung auch diese Erträge umfasst. Werden Zinsen dagegen nicht wieder angelegt, berechnet sich der Zins nur auf das ursprüngliche Kapital.

Für die Rechnung müssen Zinssatz und Zeitraum zusammenpassen. Bei jährlicher Verzinsung lautet die Grundformel: A = P × (1 + i)^t. Dabei steht P für das Anfangskapital, i für den Zinssatz je Periode, t für die Zahl der Perioden und A für das Guthaben am Ende. Bei mehreren Zinsperioden pro Jahr lautet die Formel A = P × (1 + r/n)^(n×t). Hier ist r der Jahreszinssatz und n die Zahl der Zinsperioden pro Jahr.

Für die Auswahl eines Kontos ist deshalb wichtig, im Vertrag sowohl den Zinssatz als auch den Zeitpunkt der Zinsgutschrift zu prüfen. Bei gleichem nominalem Jahreszins kann eine häufigere Verzinsung den effektiven Jahresertrag erhöhen. Ein annualisierter Effektivzins berücksichtigt diesen Zinseszinseffekt und erleichtert den Vergleich, ersetzt aber nicht den Blick auf Gebühren und übrige Bedingungen.

Was die Zahlen für dein Guthaben bedeuten

Hypothetisches Rechenbeispiel: 5.000 € Anfangskapital bei einem festen Jahreszins von 10 % über drei Jahre. Beim Zinseszins werden die Zinsen jährlich gutgeschrieben und wieder angelegt; bei einfacher Verzinsung bleibt die Berechnungsgrundlage bei 5.000 €. Ohne Einzahlungen, Auszahlungen, Gebühren oder Steuern; kein Bankangebot.

JahrZinsen bei einfacher Verzinsung (€)Saldo bei einfacher Verzinsung (€)Zinsen mit Zinseszins (€)Saldo mit Zinseszins (€)
15005.5005005.500
25006.0005506.050
35006.5006056.655
Zeitachse mit einem Anfangsguthaben von 100.000 €, 105.000 € nach einem Jahr und 110.250 € nach zwei Jahren.

Bei 1.000 € und einem festen Jahreszins von 5 % ergibt sich nach einem Jahr ein Guthaben von 1.050 €. Im zweiten Jahr werden die 5 % auf diese 1.050 € berechnet. Nach zwei Jahren stehen damit 1.102,50 € auf dem Konto, darunter 102,50 € Zinsen. Bei einfacher Verzinsung auf dasselbe Anfangskapital wären es 1.100 €.

Auch regelmäßige Einzahlungen verändern die Rechnung. Bei einer beispielhaften Einzahlung von 100 € am Ende jedes Monats, einem angenommenen Jahresertrag von 5 %, monatlicher Verzinsung und zehn Jahren Laufzeit summieren sich die Einzahlungen auf 12.000 €. Das rechnerische Endguthaben beträgt rund 15.528 €. Der angenommene Ertrag ist eine Rechengröße, keine Zusage für ein Konto oder eine Anlage.

Was ergibt sich bei 100.000 € auf zwei Jahre? Bei einem hypothetischen festen Jahreszins von 5 % und jährlicher Verzinsung wächst das Guthaben auf 110.250 €. Das sind 10.250 € Bruttozinsen vor Gebühren, Steuern oder Auszahlungen. Ein anderes Angebot kann zu einem anderen Ergebnis führen, weil dafür Zinssatz, Laufzeit und Verzinsungsrhythmus maßgeblich sind.

Wann Zinseszins auch gegen dich wirken kann

Die animierten Beispiele von Memorias de Tiburón veranschaulichen, wie sich einfache Verzinsung und wiederangelegte Erträge über längere Zeit unterschiedlich entwickeln.
Der Erklärbeitrag von Cristina Dayz behandelt Verluste, Inflation, Gebühren und Schulden als mögliche Kehrseiten des Zinseszinseffekts.

Bei einer Anlage in Aktien oder Fonds ist eine angenommene Rendite kein fester Kontozins. Der Wert einer Anlage kann sinken. Verluste können dann auch einen bereits angewachsenen Anlagebetrag treffen. Liegt die Rendite unter der Inflation, nimmt zudem die Kaufkraft ab; Gebühren verringern den Ertrag. Bei Schulden kann die Verzinsung den offenen Betrag ebenfalls anwachsen lassen.

In einem am 9. Januar 2025 veröffentlichten Video erläuterte Cristina Dayz mögliche Nachteile des Zinseszinseffekts, darunter Verluste, Inflation, Gebühren und wachsende Schulden.

Was du im Kontovertrag prüfen solltest

  • Zinssatz: Ist er fest oder kann er sich ändern?
  • Zinsgutschrift: Wie oft werden Zinsen gutgeschrieben, und bleiben sie anschließend auf dem verzinsten Guthaben?
  • Gebühren und Zugriff: Welche Kosten und Bedingungen gelten, wenn du über das Geld verfügen möchtest?
  • Geltungsbereich des Zinssatzes: Prüfe, ob der vereinbarte Satz für dein gesamtes Guthaben und den gesamten betrachteten Zeitraum gilt.

Für eine eigene Rechnung brauchst du mindestens Anfangsguthaben, Zinssatz, Zinsperioden und Laufzeit. Bei zusätzlichen Einzahlungen kommen Betrag, Häufigkeit und Zeitpunkt der Einzahlungen hinzu.